Theorie

 

DIE FUNKTIONSWEISE DES DOEBEREINER FEUERZEUGS

(Auszug aus Dr. T. Piegler’s Buch “Feuer aus Schleiz”, S. 65-67)


Ich möchte die Funktionsweise des Feuerzeugs anhand des Brockhaus von 1838 beschreiben, wobei Döbereiner bei der Textgestaltung höchst persönlich Pate stand:

Abb. 24: Döbereiner-Feuerzeuge (Böttger-Version) im Brockhaus von 1838


"Die Döbereiner'sche Lampe, das Platinafeuerzeug, besteht aus einem Apparate zur Bereitung von Wasserstoffgas, mit welchem ein Apparat in Verbindung steht, welcher das ausströmende Gas entzündet. Dieser Apparat besteht aber ganz einfach in einer kleinen Quantität sehr fein verteilter Platina (gewöhnlich sogenannten Platinaschwammes), welche die merkwürdige Eigentümlichkeit hat, Wasserstoffgas, welches in die atmosphärische Luft strömt, durch bloße Berührung zu entzünden.
In der Abbildung sind zwei Döbereiner’sche Lampen abgebildet, welche sich nur in unwesentlichen Stücken unterscheiden. GG ist ein größeres cylindrisches Glasgefäß, auf welchem ein metallener Deckel A lose aufliegt. Dieser Deckel ist durchbohrt, und über der Öffnung in seiner Mitte ist das beiderseits offene, glockenförmig gestaltete kleine Glasgefäß BB gekittet. Über der Öffnung auf der Seite des Glases ist eine Öse, in welche ein Draht eingehakt wird, über den ein durchbohrtes Stück Zink C geschoben ist, das unten durch zwei Querdrähte vor dem Herabfallen gesichert wird. Der Draht ist nur so lang, daß C nicht ganz bis zum Rande des Gefäßes BB reicht. Oberhalb der Öffnung in A ist eine Röhre angebracht, die in eine ganz feine Mündung bei F ausläuft, und welche durch einen Hahn, dessen Handgriff bei D ist, geöffnet und verschlossen werden kann. Bei E ist mittels feiner Drähte ein Platinschwämmchen befestigt.
Man hebe den Deckel A mit dem Glase BB und dem Zink C ab und fülle das Gefäß GG etwa zu 2/3 mit einem Gemisch von Wasser und Vitriolöl (- Vitriolöl nennt man die stärkste, konzentrierte oder rauchende Schwefelsäure, denn sie stößt in Berührung mit der Luft graue Dämpfe aus. Sie ist uneigentlich Vitriolöl, denn mit Vitriol bezeichnet man eigentlich nur die schwefelsauren Salze mit metallischen Basen oder in anderen Worten, die Verbindungen der Vitriol- oder Schwefelsäure mit verschiedenen Metalloxyden, z.B. Eisenvitriol oder Kupfervitriol. Anm. d. Verf. -) (das letztere muß vorsichtig in das erstere getröpfelt werden). Hierauf setze man den Deckel auf, während der Hahn bei D geöffnet ist, alsbald füllt sich das Innere von BB mit dem gesäuerten Wasser und umgibt den Zink. Der Hahn werde verschlossen; so sieht man am Zink eine große Menge Bläschen entstehen. Diese sind Wasserstoffgas und steigen in BB in die Höhe, sammeln sich oben und verdrängen bald alles Wasser aus BB, welches nun in GG um so höher steigt, bis endlich in BB das Wasser unter C gesunken ist und folglich außer Berührung mit dem Zink kommt, an dem sich nun auch kein Gas mehr entwickelt.
Das Gas in BB steht offenbar unter dem Drucke des Wassers, und sowie man daher den Hahn D öffnet, strömt es mit einiger Gewalt aus F gegen den Platinschwamm bei E, an dem es sich sogleich entzündet, so daß eine Flamme von F nach E überströmt, an der man ein Licht (gewöhnlich wurde die Flamme mit einem Fidibus abgenommen; Anm. d. Verf.) anzünden kann.
Die Flamme verlischt natürlich, sobald man den Hahn schließt und das verbrauchte Gas wird in dem Maße wiedererzeugt, in welchem beim Ausströmen das Wasser in BB eingetreten war. Das Männchen, aus dessen Munde die Flamme brennt, ist nur eine Spielerei, der Deckel, den er in den Händen hat, sitzt für gewöhnlich über dem Schwamme E, um ihn vor Feuchtigkeit und Staub zu schützen, und ist mit den Armen (dem verzierten Handgriffe des Hahns) so verbunden, daß mit dem Aufheben desselben zugleich der Hahn geöffnet wird. Die Döbereinerschen Lampen sind, da sie sogleich bei einem bloßen Drucke eine Flamme erzeugen, offenbar die bequemsten Feuerzeuge, sie haben jedoch den Nachteil, daß sie nicht leicht zu transportieren, und daß sie kostbarer wie die chemischen Feuerzeuge sind. (Gemeint sind die Phosphorfeuerzeuge, die aber so gefährlich waren, daß sie in einigen Ländern polizeilich verboten wurden. Anm. d. Verf.)."

 


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